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Erbdefekte gehören mehr oder weniger zur Zucht, genau genommen ist die Mutation Bestandteil der Evolution. Mutationen entstehen spontan an bestimmten Genorten und haben nicht immer phänotypische Auswirkungen. Dabei gibt es Gendefekte, die sich negativ auf Tiere und die Tierzucht auswirken, aber auch Gendefekte mit positivem Effekt. Leider sind die unerwünschten Veränderungen häufiger anzufinden.
Brachyspina, eine neue Erbkrankheit mit rezessiver Vererbung, schlägt sich zurzeit in der Rinderzucht nieder. Tiere, die nur auf einem Chromosom (Bb) das Krankheitsgen besitzen, nennt man Trägertiere, weil sie nicht krank sind, aber die Möglichkeit besitzen, das Krankheitsgen weiterzuvererben. Die Gefahr besteht dann, wenn zwei Trägertiere miteinander gekreuzt werden. Wirtschaftliche Bedeutung erreicht diese, ähnlich wie bei CVM und BLAD, erst bei der Paarung zweier Anlageträger.
Die Symptome sind bei Merkmalsträgern mit verkürzter Wirbelsäule, verlängerten Gliedmaßen, embryonalem Frühtod und Missbildung der Organe gekennzeichnet. Es wird kein lebensfähiges Kalb geboren. Der embryonale Frühtod ist wohl das häufigste Symptom und bleibt oft unbeachtet, da diese Tiere als „Umbuller“ durchgehen.
Forscher in den Niederlanden und Dänemark haben einen Gentest entwickelt, der es möglich macht, schon früh eine Aussage zu treffen, ob man es mit einem Anlageträger zu tun hat oder das Tier „frei“ ist. In Deutschland besitzen die Institute der Universität Göttingen und das IfN Schönow die Lizenz, den molekulargenetischen Test auf Brachyspina durchzuführen. Der DHV hat, wie auch der amerikanische Holstein Zuchtverband, vor einigen Wochen Brachyspina mit in die Liste der Gendefekte aufgenommen. Bis zum Jahresende sind alle Zuchtverbände angehalten, wichtige und aktive Bullen im Bestand zu testen. In Zukunft müssen alle Zuchtbullen ein Testergebnis für Brachyspina im Herdbuchsystem eingetragen haben, welches bei der nächsten Zuchtwertveröffentlichung mit veröffentlicht wird. Damit gibt es ein weiteres Kürzel, das es zu interpretieren gilt. Brachyspina-Trägertiere werden mit BY gekennzeichnet, frei getestete Tiere dagegen mit TY ( Blad: BL/TL CVM: CV/TV).
Derzeit wird eine Verbreitung, von Brachyspina in der Holsteinpopulation von 5 bis 8% angenommen. Die Gefahr wirtschaftlicher Einbußen ist zwar derzeit relativ gering, aber: verantwortungsvolle Zuchtarbeit bedeutet, auf diese Erbfehler aufmerksam zu machen und die Träger dieser Erbkrankheiten aus der Zucht auszuschließen. Bei der Anpaarung eines Anlageträgers auf Kühe, die nicht getestet sind, liegt die Häufigkeit für das Auftreten von Symptomen bei 1 - 2%. Die zunehmende Verwandtschaftszucht erhöht die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines solchen, eigentlich seltenen, Ereignisses und würde die Verbreitung in der Population und damit die Tierschutz-, tierzüchterische und wirtschaftliche Bedeutung ansteigen lassen.
Ursprünglich geht dieser Erbdefekt auf den 1974 in Amerika geborenen Bullen Sweat Heaven Tradition und seinen Sohn Cleitus zurück. Durch diesen Bullen und dessen Nachkommen wurde Brachyspina weitervererbt. Allein von Leadman wurden von den Geburtsjahrgängen 1991/92 326 Söhne in den deutschen Stationen getestet. Der RSA hat nicht nur Bullen untersucht, die laut Pedigree potentielle Träger sind, sondern es wurden alle RSA-Bullen untersucht. Glücklicherweise ist keiner unserer Topvererber als Träger identifiziert und Sie können Bullen wie Goldboy, Manur und Sherlock problemlos auf alle Tiere anpaaren. Alle Bullen, die als Träger (BY) identifiziert wurden, werden aus dem Zuchtprogramm genommen. Unsere Anpaarungsempfehlung ist es, nicht mit Brachyspina-Trägertieren anzupaaren. Andernfalls muss darauf geachtet werden, dass im Pedigree keine Träger enthalten sind.
Die Bedeutung der Erbkrankheit Brachyspina ist auf den ersten Blick nicht so erheblich, doch wenn der Einsatz solcher Bullen nicht verringert beziehungsweise verhindert wird, steigt die Gefahr hinsichtlich des Tierschutzes und der Wirtschaftlichkeit. Der RSA als Zuchtverband hat die Verantwortung, Sie davor zu schützen und deshalb setzen wir keine dieser Bullen mehr ein.
Brachyspina-positive RSA-Bullen| Name | Herdbuchnummer |
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| Acres | 504 126 | | Boateng | 822 258 | | Boman | 822 217 | | Bottle | 822 295 | | Coka | 822 273 | | Coucou | 822 269 | | Fortanic | 822 277 | | Gekas | 822 229 | | Goldmedal | 822 255 | | Hinrich | 822 364 | | Jaguar | 822 329 | | Liroy | 822 419 | | Loupin | 822 264 | | Mertes | 822 154 | | Rahn | 821 429 | | Sheriff | 822 188 | | Toscano | 822 117 |
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