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2/2007

Schwarz und Rot in Harmonie
GbR Nebeling/Albrecht, Klitsche




Während es in Berlin bei unserer schwarz-roten Regierung nicht immer harmonisch abläuft, ist es auf dem Betrieb der GbR Nebeling/Albrecht in Klitsche, nahe der Landesgrenze zu Brandenburg, anders. Für einen RSA-Milchviehbetrieb eher ungewöhnlich, hat die GbR Nebeling/Albrecht sowohl rotbunte als auch schwarzbunte Kühe in ihrer Milchviehherde.


Wie bei so vielen Menschen in den neuen Bundesländern stellte sich auch Richard Nebeling nach der Wende die Frage: Was tun?
Richard Nebeling hatte schon immer ein Herz für die Rinderzucht und war seit 1982 Leiter der Tierproduktion in der LPG Klitsche/Schlagenthin mit 800 Kühen. Nach der Wende wurde die LPG liquidiert, aber Richard Nebeling wollte gern der Landwirtschaft und der Rinderzucht treu bleiben. Am liebsten wäre ihm eine GbR mit drei weiteren Partnern für einen Neuanfang gewesen, doch bis auf Bernd Albrecht hatte kein weiterer den Mut dazu. So bildeten die beiden eine Zweier-GbR. Auch die Aufteilung der Verantwortlichkeiten war schnell geregelt. Bernd Albrecht ist verantwortlich für den Pflanzenbau, den Maschinenpark und die Jungviehhaltung auf seinem Hof im Ortsteil Altenklitsche. Richard Nebeling ist zuständig für Kälber, Kühe und das Grünland. Mittlerweile sind die Söhne Sven Albrecht und Ulf Nebeling mit von der Partie.

Mit 800 ha gepachtetem Land ging es am 1. Februar 1992 los. Im Zuchtgebiet der jetzigen RUW wurden rotbunte Kühe zugekauft. Später wurde die Herde noch ergänzt mit schwarzbunten Kühen aus einem Aufgabebetrieb in Niedersachsen.
Bis zum Stallneubau 1993 auf dem Hofgelände von Richard Nebeling waren Kühe und Kälber in einem alten Stall im Ortsteil Wilhelmthal. Der neue Boxenlaufstall mit Schubstangenentmistung hat 97 Liegeflächen, ausgestattet mit Matten und mit Sägemehleinstreu. Gemolken wurde in einem Doppel-Vierertandem. Die Rinder stehen im Ortsteil Altenklitsche. In einem umgebauten Stall mit Tiefstreu und Außenfütterung sind die Rinder dort in drei Altersgruppen eingestallt. Trockenstehende Kühe, Jungrinder und tragende Rinder haben in den Sommermonaten ganztägigen Weidegang. Aus arbeitstechnischen Gründen bleiben die zu besamenden Rinder im Stall.



Der Anschlag vom 11. September 2001 in New York blieb Familie Nebeling zunächst verborgen, weil genau an diesem Tag die zwei Melkroboter in Betrieb genommen wurden. "Für unserer Größenordnung lohnt es sich nicht, einen Mitarbeiter zum Melken einzustellen. Wir sind heute nach fast sechs Jahren sehr zufrieden mit dieser Entscheidung.", so Ulf Nebeling. Da ausschließlich mit den Melkrobotern gemolken wird, mussten einige Kühe abgegeben werden, die im Eutervolumen oder der Strichplatzierung nicht robotergerecht waren. Auch in Punkto Leistung hat es keine Veränderungen gegeben.
Sehr großer Wert wird bei der Anpaarung auf die Strichplatzierung und hier besonders auf die hintere gelegt, die möglichst robotergerecht sein sollte.

Von den zurzeit 108 Kühen im Betrieb sind nach wie vor zwei Drittel Rotbunte und ein Drittel Schwarzbunte. Das Wichtigste dabei ist, dass es 100% Holsteinkühe sind.
"Es gibt keine Unterschiede zwischen rot- und schwarzbunten Kühen, vielleicht geben die schwarzbunten etwas mehr Milch.", so die Beobachtungen von Ulf Nebeling.
Trotzdem soll es weiterhin so bunt im Stall bleiben. Sehr gut gearbeitet hat in der Herde der Rotbuntvererber HAU. "In der Eutergesundheit hat uns Savoy sehr viel weiter gebracht." sagt Ulf Nebeling im Rückblick auf die eingesetzten Vererber. Zurzeit werden bei den Rotbuntkühen die Vererber Faber, Avanti und Carmano eingesetzt. Der schwarzbunte Teil wird besamt mit mit Jannsen, Millennium, Novize und dem RSA-Newcomer Jelder. Dazu kommen Testbullen für die Erstkalbskühe. Da der RSA keine Jungbullen der Rasse Rotbunt testet, kommen diese vom Kooperationspartner Weser-Ems-Union.

2006 erreichte diese Herde eine Durchschnittsleistung von 10.847 kg Milch, 3,57 % Fett, 3.34 % Eiweiß und dazu eine gute Zwischenkalbezeit von 392 Tagen. Eine so hohe Durchschnittsleistung mit dieser Zwischenkalbezeit spricht für ein sehr gutes Management.

Die TMR-Fütterung besteht aus Grassilage, Maissilage, Biertreber, Sojaschrot, Maisschrot und Mineralstoffen. Kraftfutter gibt es individuell über Station beim Melken. Wie bei vielen Milchproduzenten ist natürlich der aktuelle Milchpreis alles andere als zufriedenstellend, auch nicht für Richard und Ulf Nebeling. "Wir sind noch zwei Jahre vertraglich an unsere Molkerei gebunden, dann werden wir weitersehen."
Ganz große Änderungen und Neubauten sind nicht zwingend notwendig und für die nahe Zukunft auch nicht geplant. Die nächste Maßnahme wird sein, die Liegefläche im Boxenlaufstall in Tiefboxen mit Stroh umzugestalten, um noch mehr Kuhkomfort zu bekommen.

Die GbR Nebeling/Albrecht ist für die Zukunft gut aufgestellt. Auch die Nachfolge ist in der zweiten Generation mit Ulf Nebeling und Sven Albrecht, die schon im Betrieb integriert sind und in einigen Bereichen bereits Verantwortung tragen, abgesichert.

Dirk Wieting


 





Ein gutes Team: Richard Nebeling u. sein Sohn Ulf

Betriebsspiegel

820 ha LN  (durchschn. 39 Bodenpunkte
 dav. 230 ha Grünland
        590 ha Ackerland

AK: 4 + 2 Betriebsleiter

Anbau:         Getreide, Raps, Mais, Zuckerrüben
Viehbestand: 108 Kühe + weibl. Nachzucht
Milchquote:   1,08 Mio kg

Leistung:
2004: 115 K.    9.693 Mkg  3,74 %F  3,36 %E
2005: 119 K.  10.405 Mkg  3,64 %F  3,31 %E
2006: 113 K.  10.847 Mkg  3,57 %F  3,34 %E






Die Milchviehherde hat sich sehr gut mit dem Melkroboter angefreundet


Hofladen

Auf dem Hofgelände von Familie Nebeling betreibt die GbR seit nunmehr sieben Jahren einen kleinen Hofladen mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus überwiegend eigener Herstellung. Für diesen Hofladen werden extra 20 Mastbullen, 20 Schweine und 100 Hühner gehalten und 1,5 ha Kartoffeln angebaut. Sehr beliebt bei den Kunden sind Aktionen wie "Schlachttage", wo frisches Fleisch und gerade produzierte Wurst angeboten werden. Eine spontane Idee, die umgesetzt wurde und mit Begeisterung betrieben wird. Der Erfolg gibt ihnen Recht! Von nichts kommt auch nichts!