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1/2006

Betriebsbesuch bei der LB Kunrau





Frau Sacher hat als Leiterin der LB Kunrau alle "Fäden in der Hand"


Der Betrieb entstand aus einer ehemaligen Kooperation von vier Betrieben:

  • Tierproduktion Jahrstedt
  • Tierproduktion Kunrau
  • Schweinemastanlage Steimke
  • Pflanzenproduktion Kunrau

Die Anteile der Bauern und Landeigentümer stecken zu 100% in der Agrargenossenschaft Kunrau e.G. als Vermögen- und Verwaltungsgenossenschaft, die vom Vorstand geleitet wird. Die Landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft (LB) Kunrau GmbH bekommt die Grundmittel und Gebäude von der Genossenschaft bereitgestellt und bezahlt dafür Pacht. Die Chefin der LB Frau Sacher ist vom Vorstand berufen worden

Die LB Kunrau hat insgesamt drei Betriebszweige:
  • Pflanzenproduktion
  • Geflügelmast
  • Rinderproduktion (Milchproduktion und Mutterkuhhaltung)

Die Pflanzenproduktion wird von Herrn Diebe geleitet.



Kennzahlen zur Pflanzenproduktion:
2.600 ha LN: Erträge 2005
1.900 ha Acker, davon960 ha Getreide
53 dt/ha W-Weizen
  56 dt/ha W-Roggen 
   39 dt/ha W-Gerste
   38 dt/ha S-Gerste
 130 ha Ölsaaten30 dt/ha W-Raps 
 40 ha Stärkekartoffeln350 dt/ha
 45 ha Zuckerrüben550 dt/ha
 1,2 ha Spargel 
 360 ha Silomais zur Fütterung290 dt/ha
 117 ha Silomais f. Biogasanlage290 dt/ha
 170 ha Feldgras (erst einjährig
als Vorfrucht Mais, jetzt mehrjährig) 
 
 570 ha Stilllegung 
700 ha Grünland, davon
ein Großteil mit Naturschutzauflagen
im Drömling 
 
 300 ha Grünland Zone II
mit Vertragsnaturschutz
 
   50 ha Grünland Zone II
ohne Vertragsnaturschutz
 
Bodenwertzahl:durchschn. 33 
Niederschläge:545 mm in normalen Jahren 


450 ha Acker können beregnet werden (wird genutzt für Kartoffeln, Zuckerrüben, Mais und Spargel).
Der Spargel wird direkt vermarktet, u.a. werden umliegende Gasthäuser beliefert.
Die Qualität des Grünlandes im Drömling hat sich mit den Jahren stark verschlechtert. Durch hohe Staustufen versumpft das Grünland immer stärker. Der Anteil an Sauergräsern und Binsen steigt, so dass nur noch der erste Schnitt der Flächen ohne Naturschutzauflagen für die Silageproduktion für Milchkühe genutzt wird. Der zweite Schnitt dieser Flächen wird für die Silierung zur Fütterung der Trockensteher  und des Jungviehs genutzt. Alle anderen Grünlandflächen werden durch Mutterkühe gepflegt, bzw. es wird etwas Heu zur Vermarktung an umliegende Pferdehalter produziert.
Die Geflügelproduktion wird von Herrn Dr. Strube geleitet, der, wie die anderen Bereichsleiter auch, selbst in der Produktion mitarbeitet. In sieben Ställen mit je 22.000 Mastplätzen werden in acht Durchgängen zu je 33 Tagen ca. 1 Mio. Masthähnchen im Jahr produziert.


Die Rinderproduktion unterteilt sich in die Mutterkuhhaltung sowie die Milchproduktion und Aufzucht des Jungviehs. Verantwortlich sind hier Frau Sacher und Herr Schumann.
Die Mutterkuhherde entstand durch die Aussonderung von Milchkühen im Rahmen der Zellzahlsanierung mit der Anpaarung von Fleckvieh. Über Verdrängungskreuzung sind heute ca. 60 bis 100 rote Fleckvieh-Mutterkühe mit Nachzucht im Bestand. Die Fresser werden beim Weideabtrieb verkauft. Mutterkuhprämie erhält der Betrieb nicht. Die Nutzung der Grünlandstandorte im Drömling ist zum größten Teil nur noch zur Landschaftspflege möglich, weshalb die Anzahl der Mutterkühe ansteigend ist. Die Zusammenarbeit des Unternehmens mit den Naturschutzbehörden ist sehr gut.

Milchproduktion
Viehbestand:   450 Milchkühe
    480 Jungrinder

Bis 1998 wurde in Jahrstedt und Kunrau Milchvieh gehalten, seit 1999 ist die Milchproduktion in Kunrau konzentriert.
In Kunrau wurden durch den Zusammenschluss der ehemaligen Betriebe zwei Milchquoten zusammengeführt, wodurch der Betrieb seine Milch an zwei verschiedene Molkereien (Nordmilch Zeven und Frischli Gifhorn) vermarktet. Das ist wohl ein Novum auf dem deutschen Milchmarkt.
In der Milchproduktion und Jungrinderhaltung sind täglich sechs Personen im Einsatz: Zwei Melker, ein Treiber, ein Fütterer, eine Kälberfrau und eine AK in der Jungrinderhaltung Jahrstedt. Außerdem bildet der Betrieb Lehrlinge aus.




Stall der Milchviehherde

Die Substanz der Ställe ist von 1963. Es wurde nicht komplett um- oder neu gebaut. Man versucht, Schritt für Schritt jedes Jahr etwas zu sanieren.
Derzeit ist der doppelte 2x6-Fischgrätenmelkstand von Umbauarbeiten betroffen. Technisch ist die Melkanlage von Alfa Laval auf dem neuesten Stand. Es finden sich hier Nachmelk- und Abnahmeautomatik, Tiererkennung, Milchmengenmessung und Airbrush zur Melkzeugzwischendesinfektion. Aber die Bauhülle ist seit der Wende stark abgenutzt. In letzter Zeit sind ein neuer Großraumlüfter und ein Lichtfirst eingebaut worden. Die Sanierung der Melkstandwände wurde bereits begonnen, ist aber noch nicht abgeschlossen. Außerdem sollen sowohl der Melkstand als auch die Laufflächen des Vorwartehofes mit Gummimatten ausgelegt werden.
In den Ställen wurde die mobile Entmistung nach und nach durch eine Hydraulikschrittschieberanlage ersetzt.
Weitere Umbauten, wie das Ersetzen der Fenster durch Jalousien und der Einbau von Kipptränken, wurden nach und nach durchgeführt. Zwischen zwei Hallen wurde mit wenig Aufwand ein Zwischendach eingezogen, für das vorhandene Betonstützen und Binder genutzt wurden. Damit entstanden ein Futtertisch und weitere Liegeboxen mit breitem Laufgang. Der Betrieb würde die vorhandenen Boxen gern auf Einstreu umstellen, aber die Standlängen sind so kurz bemessen, dass derzeit keine optimale Umbaulösung in Sicht ist.
Eine selbst eingebaute Sprühanlage, durch ein Magneventil gesteuert, zerstäubt an heißen Sommertagen am Futtertisch alle halbe Stunde für ca. fünf Minuten Wasser über den Kühen.
Um ein Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1 zu gewährleisten, stehen den Kühen nach den Umbaumaßnahmen sowohl Liege- als auch Fressliegeboxen zur Verfügung.


Es wird in fünf verschiedenen Futtergruppen eine TMR gefüttert:

  • Frischlaktierende
  • Altmelkende
  • Dreimal-Melker
  • Transitgruppe
  • Trockensteher

Es kommen keine Kühe mehr auf die Weide. Die Futterration besteht aus 2/3 Maissilage nd 1/3 Grassilage. Außerdem wird Feuchtmais eingesetzt. Mit der Fütterung von Pressschnitzeln wurden keine guten Erfahrungen gemacht, da die Haltbarkeit über mehrere Tage  nicht gewährleistet werden kann. Die Qualität der Grassilage hat sich seit der Nutzung von Ackergras enorm verbessert. Der Rohascheanteil ist zudem stark gesunken. Das macht sich in der Leistungsentwicklung des Unternehmens deutlich bemerkbar. Der Herdenschnitt liegt zur Zeit bei 27-30 kg Milch/Tag. Der Betrieb hat seine Milchleistung im letzten Jahr um fast 1000 kg gesteigert. Der Besamungsindex und die Zwischenkalbezeiten liegen im sehr guten Bereich.


Jahresabschl. 05      
467 A+B-Kühe9124 kg M.3,95 F-%360 F-kg3,41 E-%311 E-kgZKZ 392 T
Vgl. z. Vorjahr+907 kg-0,21 %+18 kg+0,05 %+35 kg        -6 T
Bes.-Index Kühe:2,0     
Bes.-Index Färsen1,3     


In der Gruppe der Dreimal-Melker liegt der Herdenschnitt bei 40-42 kg Milch/Tag. Die Kühe werden unabhängig vom Laktationsstadium nach Leistung (>35,0 kg) in die Gruppe eingegliedert. Die Ration enthält zusätzlich geschützte Eiweiße. Es wird seit zwei Jahren dreimal gemolken und der Betrieb ist damit sehr zufrieden. Es entsteht ein Mehraufwand von 2h/Tag für eine AK.
Den Kühen stehen zwei rotierende Bürsten zur Körperpflege zur Verfügung. Einmal wöchentlich wird über drei Melkzeiten ein Klauenbad durchgeführt. Dazu werden Alkapur und Wofasteril mit einem Schaumgenerator verteilt. Die Situation der Klauenerkrankungen hat sich seit Einführung dieses Schaumbades deutlich verbessert. Zweimal jährlich werden die Klauen geschnitten. Zwischenzeitlich erfolgt die Klauenpflege bei Problemfällen durch Herrn Schumann selbst.
In der Transitgruppe werden saure Salze zur Regulierung des Kalziumhaushaltes zugefüttert.
Die Trockensteher und die Transitgruppe haben die Möglichkeit rauszugehen. Sie werden auf Tiefstreu gehalten, der Stall wird einmal täglich eingestreut und alle vier Wochen ausgemistet. Das Trockenstellen erfolgt unter Antibiotika. Außerdem werden alle Tiere einer Mutterschutzimpfung unterzogen. Im Betrieb kalben die Kühe kontinuierlich über das ganze Jahr verteilt ab.




Das "Kälberdorf" mit Fresshütte, Laufhof und Liegehütte

In die Kälberhaltung wurde in den letzten Jahren viel investiert. In den ersten zwei Wochen sind die Kälber unter einem Schleppdach in selbstgebauten Einzelboxen untergebracht. Für die Boxen wurden Gitter aus der ehemaligen Schweinehaltung verwendet. Für die Holzböden wurden Paletten genutzt. Als Wetterschutz ist en Windnetz vom Boden bis ca. 1,50 m Höhe angebracht. Die Kälber erhalten hier bereits Wasser zur freien Aufnahme. Frei verfügbares Kraftfutter aus Spendern wurde bisher von den Kälbern nicht gut angenommen.
Danach ziehen sie für weitere neun Wochen in ein so genanntes "Kälberdorf" von Urban. in vier Abteilen mit jeweils einer Fresshütte, einem Laufhof und einer Liegehütte können immer 15-20 Kälber gehalten werden. Der Laufhof wird zweimal täglich von Hand abgeschoben. Die Wasserversorgung erfolgt über beheizte Schalentränken. Mittels Tränkautomat werden entsprechend der eingestellten Tränkkurve max. 6 kg Milch/Tier/Tag vertränkt. Im Winter wird die Konzentration der Milch von 100 g auf 120 g Michaustauscher je kg fertige Mischung erhöht. Die Tiere werden bei Ein- und Ausstallung gewogen. Die durchschnittlichen täglichen Zunahmen liegen in dieser Zeit bei ca. 800 g/Tier.
Die Weidehaltung der Jungrinder ist im Laufe der letzten Jahre stark zurückgegangen. Während man früher den Drömling stark für die Jungviehaufzucht nutzte, gehen heute nur besamungsfähige und niedertragende Tiere auf die Weide. Jährlinge und hochtragende Rinder bleiben im Stall. Die Haltung der Jungrinder wird heute viel intensiver betrieben. Man hat hier klar erkannt, dass die Jungrinder die Zukunft des Betriebes sind.
Das Erstkalbealter liegt mit 28,6 Monaten noch recht hoch und soll auf etwa 27 Monate verringert werden. Ein noch niedrigeres EKA wird derzeit nicht angestrebt, da die Nutzung des Drömlings eine intensivere Aufzucht im Moment nicht zulässt.
Der Betrieb verkauft tragende Färsen hauptsächlich für den Export nach Marokko, Algerien, Kroatien usw. (25 Stück/Jahr)


Dem Einsatz der Besamungsbullen wird viel Aufmerksamkeit geschenkt. Neben RSA-Genetik werden weitere Bullen aus dem Austauschprogramm eingesetzt. Die Auswahl erfolgt nach ausgiebiger Information auf den jährlichen Veranstaltungen zum Erscheinen des RSA-Bullenkatalogs und in Absprache mit dem Zuchtinspektor Henning Lüdecke



Hauptanpaarungsbullen 2005/06

Acord  Crest  Jefferson  Minister
Akonnor  Gibor  Johnsbury  Faber (f. rbt)
Amedo  Jannsen  Manager 

für Färsen:Amador
 Vampir
für Jungkühe:Testbullen


Kriterien für den Bulleneinsatz sind mindestens +1000 kg Milch und eine positive Fundaments- und Eutervererbung. Die Strichlänge wird ebenfalls beachtet.
Auf dem Betrieb haben sich besonders Töchter des Bullen Tornado bewährt. Außerdem stehen mehrere Kühe von Jannsen aus dem Testeinsatz in Kunrau, mit denen der Betrieb sehr zufrieden ist. Jungkühe werden zu 100% mit Testbullen belegt. Dass der Betrieb mit dem Testbulleneinsatz gute Ergebnisse erzielt, beweisen neben der positiven Einschätzung beider Produktionsleiter auch die immer wieder aus der LB Kunrau ausgestellten Töchter von neuen RSA-Vererbern. Allein in den letzten zwei Jahren wurden Töchter von Akonnor, Zunder, Merinit, Level und Jannsen für Nachzuchtgruppen auf Verbandsschauen bereitgestellt und fotografiert. Die Level-Tochter Laika wurde zudem Reservesiegerin der Nachzuchtkühe zur Nikolausschau 2003 in Salzwedel.





Laika (v. Level), Reservesiegerin der Nachzuchtkühe, Nikolausschau 2003


Die neue Biogasanlage

Ein weiteres Standbein des Unternehmens soll die neue Biogasanlage werden, die noch in diesem Jahr in Betrieb gehen wird. Mit 6.000 t Maissilage, 1.000 t Hühnerkot und 12.000 t Rindergülle sollen jährlich vier Millionen Kilowattstunden produziert werden. Die Anlage wird als so genanntes Betreibermodell arbeiten, d.h. es fließt Geld über die Pacht des Grundstückes, den Arbeitskräfteeinsatz und die Vergütung des Stroms. Sollte das Modell nicht aufgehen, dann haben die Kunrauer immerhin drei große neue Fahrsilos und den Fermenter und Nachgärer, die als Güllelagerbecken genutzt werden können.
Wenn man das Unternehmen kurz beschreiben soll, dann ist es ein zukunftsorientierter Betrieb, der mit der vorhandenen Substanz arbeitet und Schritt für Schritt investiert. Die Visionen der Betriebs- und Produktionsleiter sind interessant und realistisch.
Wir wünschen dem Betrieb auch in Zukunft viel Erfolg und sind uns sicher, dass wir auch in nächster Zeit wieder Kühe aus Kunrau sehen werden, wenn ein neuer Vererber am Start steht. Denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Betrieb weitere Töchter interessanter Bullen hervorbringt, die diese Vererber vorteilhaft repräsentieren können. Dies spricht für eine solide Tiergrundlage des Betriebes.

Astrid Ziem