Ein Besuch in der Agrargenossenschaft eG Tucheim
Die Landwirtschaft war schon immer der bestimmende Wirtschaftsfaktor in dieser 2000-Seelen-Gemeinde. Nach dem Krieg gab es 200 Privatbetriebe, zumeist zwischen acht und 15 ha! Die Grundlage der heutigen "Agrargenossenschaft eG Tucheim" bildeten 1960 13 LPG, und zwar 11 x Typ I, 1 x Typ II und 1 x Typ III. Drei dicke Broschüren, bestimmt vom sozialistischen Zeitgeist, berichten darüber. Über Jahrzehnte kann man nachempfinden, die Arbeit hier in der Landwirtschaft war keine leichte!
Die Rinderzucht hatte schon in den 70er und 80er Jahren einen hohen Stellenwert, so die überzeugenden Tierschauerfolge auf der "agra" in Leipzig. Die Dauerleistungskuh Ina und ihre SMR-Söhne Apos und Drall ließen aufhorchen.
Heute ist der 10.000-kg-Betrieb weit über die Region bekannt. Allein Ende November (2003) kamen Reisegruppen aus Bayern und sogar vom fernen Finnland, um sich zu informieren.
Intensive Grünlandbewirtschaftung
Fast 1.300 ha Grünland gehören zum Betrieb. Aber wo werden Ende November noch über 10 Herden täglich auf Portionsweiden gehalten?
Seit 1995 werden jährlich 100 ha Grünland erneuert und das nur im September. Die alte handhohe Grasnarbe wird mit Round up vorbehandelt, per Scheibendrille 30 kg/ha gerechte Standortmischung 3 cm tief eingelegt. Die Neuansaat wird nicht angewalzt. Der besondere Effekt passiert nach dem ersten Regen. Die Saat wird eingeschlämmt, mit bestem Erfolg. Mitunter wird mit einjährigem Weidelgras nachgebessert. Die Pflegemaßnahmen Schleppen, Walzen und Nachmähen erfolgen wie bekannt.
Der Kommentar von Geschäftsführer Helmer Rawolle: "Wer Milch haben will, muss sein Grünland intensiv bewirtschaften!"
Beeindruckend ist die Schlagkraft beim Silieren, 80 ha täglich. In normalen Jahren wird der 1. Schnitt in neun Tagen geschafft! Die Schnitthöhe liegt bei ca. 7 cm, Milchsäurebakterien und Melasse werden beigegeben. Flächen mit stärkerem Maulwurfbesatz werden gehütet.
Fütterung der Milchkühe
Die Milchkühe bleiben ganzjährig in der Milchviehanlage. Täglich wird vier- bis sechsmal Grundfutter vorgelegt. 15 kg Trockensubstanz aus dem Grundfutter werden angestrebt aus 18 kg Mais udn 18 kg Grassilage. Neben 1,5 kg Gerste, 1,5 kg Roggen udn 2 kg Sojaschrot erhalten die 40-l-Kühe noch 5 kg "Ergänzer" per Transponder. Letzteres setzt sich zusammen aus 44% Mais, 30% Raps, 14% Biopopion Soja, 6% Biopropion Raps und 6% "geschützte Fette". Darüber hinaus werden 250 g Mineralstoff und 250 g Prophylenklycol verabreicht.

Die Jungviehaufzucht
Zur Zeit (Nov. 2003) stehen 183 Jungkuhabschlüsse mit durchschn. 8456 kg Milch bei 3,86% Fett und 3,44% Eiweiß zu Buche. Die Einsatzleistungen liegen bei 30 kg Milch, das Erstkalbealter bei 28 Monaten. Die Färsen und Kühe kalben in einem neu erbauten, windgeschützten Offenstall ab, direkt neben der Milchviehanlage. Die Tiere fühlen sich sichtlich wohl, dank einer dicken Strohmatratze. Die Kälber bleiben einen Tag bei der Mutter. Dann kommen sie in die neuen Iglus, und zwar zu fünft. Die halbjährigen Rinder erhalten schon Halbtagsweide bei vollem Zufutter. Beim Abtrieb erfolgt dann eine Wurmkur.

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 Für heiße Tage die richtige Belüftung
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Der Kuhkomfort
Die Bedingungen in der 1200er MVA sind hart. Die neuen Gummimatten in den Liegeboxen werden gut angenommen, die Qualität der Gliedmaßen lassen das erkennen. Die Stallluft könnte besser sein.
Die drei neuen Horizontallüfter mit 6 m Durchmesser haben sich im letzten Extremsommer bewährt.
Die älteren Kühe und Jungkühe werden getrennt in Gruppen gehalten. Zum Angewöhnen kommen schon die hochtragenden Färsen in die Boxengruppe. Nach dem Kalben kommen die leistungsstärksten Tiere in den benachbarten Offenstall. Sie genießen die Sonderstellung ausgiebig!
Was fällt dem Tucheim-Besucher auf?
1. Die fundierte fachliche Qualifikation der Mitarbeiter.
2. Überzeugend sind die langjährigen Erfahrungen in der Bewirtschaftung eines Großbetriebes.
3. Die umfassenden Informationen für die Mitarbeiter sorgen für ein gutes Betriebsklima.
4. Die Betriebstierschau 2001, bei der 35 Ausstellungskühe mit durchschnittlich fast 10.000 kg Milch zum Auftrieb kamen, hatte Seltenheitswert. Eine überragende Charles-Sammlung war der Höhepunkt.
5. Die jährlichen Feldbesichtigungen mit den Verpächtern schaffen Vertrauen und haben einen hohen Informationswert.
Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die Mitarbeiter hier ein hohes Arbeitspensum bewältigen. Der Zuchtleiter Norbert Kandora ist zugleich Anlagenleiter, übernimmt die gesamte Dokumentation und ist Betriebsbesamer!

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 Der Zuchtleiter der AG Tucheim, Herr Kandora, kontrolliert seine Herde
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Die Zuchtarbeit
Der gesamte Milchrinderbestand ist zu 99% in der Zuchtstufe A (mindestens 3 Generationen Abstammung) eingetragen und das bei insgesamt 1.400 Tieren!
Als bewährte Vererber haben Blasto, Tornado, Aerostar, F16 und Charles ihre Spuren hinterlassen. Funktionalität hat Vorrang beim Bulleneinsatz, Färsenbullen werden nicht favorisiert.
Auffällig ist der ausgeglichene Typ in der 700er Herde. Die lange Mittelhand, die guten Beine und vor allem die Euter können überzeugen. Vordere Platzierungen bei Verbands- und Kreistierschauen sind das Ergebnis intensiver 30-jähriger Zuchtarbeit.
Übrigens stammen die ersten Impulse vom ehemaligen Zuchtleiter Peter Klemens, geboren auf einem ostpreußischen Zuchtbetrieb, aufgewachsen im altmärkischen Kossebau, verheiratet in Tucheim.
Die Agrargenossenschaft Tucheim ist ein zukunftsträchtiger Zuchtbetrieb mit vielen interessanten Problemlösungen.
E.R.
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