AG "Schwarzbuntzucht" Fischbeck eG
- ein Betrieb an historischer Stätte der deutschen Rinderzucht

Fischbeck liegt direkt an der Elbe unmittelbar gegenüber der Stadt Tangermünde. Die Agrargenossenschaft Fischbeck entstand 1991 durch Umwandlung der ortsansässigen LPG.
Zahlen und Fakten zum Unternehmen
Das Unternehmen bewirtschaftet 1940 ha Fläche. Von den 750 ha Dauergrünland befinden sich 350 ha im Überflutungsgebiet der Elbe. Deshalb muss bei den Silagequalitäten ein geringerer NEL von bis zu 1,0 MJ in Kauf genommen werden, da sich in diesen Bereichen nur spezielle minderwertige Grasarten behaupten können.
Auf Grund der Flussnähe hat der Acker teilweise durch Auelehmböden 50 bis 60 Bodenpunkte. Der Großteil der Flächen sind jedoch Sandböden mit oft nur 18 Bodenpunkten. Die durchschnittliche Bonität beträgt 43 Bodenpunkte. Angebaut werden Winterweizen, Wintergerste, Winterroggen, Silomais, Raps und wenig Zuckerrüben. Ein Teil der Flächen ist stillgelegt.
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Jahresabschluss 2006:
570 A+B-Kühe
9046 Mkg 4,01 F% 363 Fkg 3,50 E% 317 Ekg
416 Tage ZKZ
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Das Personal
Insgesamt 30 Mitarbeiter arbeiten in der Genossenschaft Fischbeck.
Arbeitskräfte:
9 AK Pflanzenproduktion
3 AK Werkstatt
3 AK Leitung/Verwaltung
15 AK Tierproduktion
Die Leitung des Unternehmens wurde in den letzten Jahren komplett verjüngt. Der Betrieb hat dazu Studenten über Praktika in den Betrieb geholt und sie dann weiter nach und nach in leitende Funktionen eingearbeitet. So ist beispielsweise der Geschäftsführer, Herr Michael Briest (34 Jahre), nach seinem Studium in Bernburg vor acht Jahren als Praktikant nach Fischbeck gekommen und ist seit mehreren Jahren als Leiter Pflanzenproduktion beschäftigt. 2006 hat er von Klaus Wittmüß die Leitung des Unternehmens übernommen. Herr Briest stammt aus der Nachbargemeinde Schönhausen, wo seine Eltern einen Milchviehbetrieb bewirtschaften.
Sebastian Gumtz (26 Jahre) ist seit vier Jahren im Betrieb. Zuerst als Praktikant von der Fachschule Haldensleben wurde er danach schrittweise in die Funktion von Klaus Braunschweig eingearbeitet und ist seit zwei Jahren Leiter der Tierproduktion. Sebastian Gumtz ist Vorstandsmitglied beim Jungzüchterverein des RSA. Er war in den letzten Jahren selbst sehr erfolgreich als Jungzüchter aktiv. So konnte er mehrmals erfolgreich am Bundesvorführwettbewerb für den RSA teilnehmen und wurde 2002 bei der europäischen Jungzüchterschule in Belgien Gesamtsieger.
Die ausscheidende Generation hat sich jedoch noch nicht vollständig zurückgezogen. Klaus Wittmüß und Klaus Braunschweig sind auch im Ruhestand noch dem Betrieb und der Rinderzucht verbunden. Herr Wittmüß übernimmt beispielsweise in Vertretung von Eckhard Roitsch Führungen im Schwarzbuntmuseum in Fischbeck. Herr Braunschweig ist nach jahrzehntelanger Vorstandsarbeit bei RSA noch in dessen Zuchtkommission aktiv. Beide Männer haben Veranstaltungen wie die Hofauktion 1996 im Betrieb und die Jubiläumstierschau 1996 anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Stammzuchtgenossenschaft in Fischbeck maßgeblich organisiert.
Die Zucht
Der Betrieb hat zwei Bullenmütter hervorgebracht, die VG 86 Prelude Prisma, deren Basar-Sohn Brasseur beim RSA getestet wurde und die VG 88 Broker Orange, deren Marty-Sohn Mike ebenfalls im RSA-Zuchtprogramm zum Einsatz gekommen ist.. Der Zukauf von Einzelkühen für die Zucht vor ein paar Jahren hat sich nicht bewährt. Heute wird nur mit eigener Nachzucht gearbeitet.
Die AG Fischbeck beteiligt sich mit mehr als 85% ihrer Jungkühe am Testprogramm des RSA und hat bereits zahlreiche Tiere für Nachzuchtpräsentationen, Schauen und Fototermine zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2006 war Fischbeck mit RSA-Nachzuchttieren von Amadin und Fillipo sehr erfolgreich zur Altmarkschau in Kakerbeck und auf der Nikolausschau vertreten.
Der Betrieb setzt hauptsächlich Bullen aus dem RSA- und Kooperationssegment ein. Derzeit sind es besonders die Amadin-Töchter, die als Milchkühe positiv auffallen. Bei den Jungrindern sticht, wie überall, die Jannsen-Nachzucht besonders ins Auge. Der Betrieb verkauft kontinuierlich Jungkühe und Färsen. In der Agrargenossenschaft haben bereits vier Kühe eine Gesamtlebensleistung von mehr als 100.000 kg Milch erreicht:
| Name | Ohrmarke | Vater | geb. | LA | 100000 err. | | Gloria | 20.73255397 | Gleiter | 02.04.86 | 12 | 2001 | | Nora | 22.41101288 | Norge | 25.12.92 | 7 | 2004 | | Reni | 20.73256696 | Roggen | 04.11.88 | 13 | 2004 | | Elbe | 22.41103455 | Broker | 19.11.93 | 11 | 2006 |
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Haltung und Fütterung
Der Betrieb hat ca. 650 Kuhplätze und ebensoviel Jungvieh.
520 Kuhplätze sind auf Gülle in umgebauten alten DDR-Ställen des Typs L203. Sie sind mit Hochliegeboxen und Gummimatten (erneuert) sowie Spaltenboden im Laufbereich ausgestattet.
130 Kühe können in Tiefstreu mit Außenfütterung untergebracht werden. In dieser ehemaligen Bergehalle werden hauptsächlich frischlaktierende Jungkühe, aber auch frische Altkühe und Kühe mit Gliedmaßenproblemen gehalten.
Ein weiterer Stall wurde 1999 auf Strohhaltung umgerüstet. Dort werden die Kälber in 20er Tränkgruppen gehalten. Außerdem befindet sich dort der Abkalbebereich. Die Abkalbegruppen haben auch draußen Liegebereiche auf Stroh.
Das restliche Jungvieh sowie die Trockensteher werden in einem fünften Stall auf Stroh gehalten. Dort haben die einzelnen Gruppen ebenfalls eingestreute Ausläufe.
In der Jungrinderaufzucht gehen die besamungsfähigen und tragenden Färsen fünf Monate auf die Weide, womit ein Teil des Dauergrünlandes genutzt wird. Die Jährlinge und jüngeren Färsen bleiben im Stall, da die Erfahrungen gezeigt haben, dass die Zunahmen sonst nicht ausreichend sind. Ziel ist es, das derzeitige Erstkalbealter von 28 Monaten auf 26 Monate zu senken. Das gesamte Jungvieh wird im Stall auf Stroh gehalten. Die männlichen Kälber werden alle verkauft. Im Betrieb werden rund 8500 Quaderballen im Jahr zum Einstreuen benötigt.
Die Fütterung erfolgt zweimal täglich direkt nach dem Melken über eine TMR. Es gibt sieben verschiedene Mischungen für vier melkende Gruppen, zwei Trockenstehergruppen und die Jungrinder. In der Kuhration werden Grasanwelksilage, Maissilage, Heu, eigenes Getreide (Gerste u. Triticale), Soja, Raps, Futterfett und Glycerin verarbeitet. Das eigene Getreide wird 14-tägig in Lohnarbeit über einen mobilen Mahl- und Mischwagen geschrotet. Die Mischung übernehmen komplett die zwei betriebseigenen Futtermischwagen. Die Maissilage des vergangenen Jahres ist, wie in den meisten anderen Betrieben, mit geringerem Nährstoffgehalt geborgen worden, wodurch merkbare Leistungseinbußen beim Fütterungsbeginn zu verzeichnen waren. Die Fütterung musste deshalb erst über Neuberechnung der Ration und Veränderungen der Rationsgestaltung ausgeglichen werden, wobei der Betrieb mit dem Anteil an Kraftfutter in der Ration bereits am oberen Limit liegt.
Neuerungen der letzten Jahre
2004 wurde bei laufendem Melkbetrieb in drei Monaten ein 36er Melkkarussell errichtet. Dieses ersetzt die zwei 2x10er Side-by-Side-Melkstände, die dem neuen Vorwartebereich weichen mussten. Das Karussell ist mit Anrüstautomatik, Leitfähigkeitsmessung, automatischer Abnahme sowie Melkzeugzwischendesinfektion ausgestattet. DAs Agrocom-Programm des Karussells von Lemmer-Fullwood ist mit dem Betriebsherdenmanagementprogramm von Superkuh kompatibel, so dass mit diesem Programm weitergearbeitet werden konnte. Anfängliche Probleme mit der Tiererkennung konnten behoben werden. Mit der Arbeit des Rundtreibers ist man nicht voll zufrieden. Zur Einzeltierselektion sind im Austriebsbereich zwei Separationstore mit automatischer Tiererkennung vorhanden. Herr Briest und Herr Gumtz bedauern im Nachhinein, sich damals aus Kostengründen für die Tiererkennung über Halsbänder entschieden zu haben. Aus heutiger Sicht würden sie Fußbänder mit Pedimeter wählen, um gleichzeitig Daten zur Brunsterkennung auswerten zu können.
Derzeit melkt der Betrieb eine Milchreferenzmenge von 5,23 Mio kg Milch. Die Milch wird täglich von der Molkerei Bad Bibra abgeholt, Tankkapazität ist nach dem Melkstandsumbau für eine zweitägige Lagerung vorhanden.
Im Herbst 2005 wurden an den Stalllängsseiten Curtins zur Verbesserung des Stallklimas eingebaut. Diese werden je nach Windrichtung und -geschwindigkeit, Außentemperatur und Niederschlag automatisch geöffnet oder geschlossen.
Im Rahmen der Stallumbauten der letzten Jahre wurden frostsichere Kipptränken eingebaut.
Als nächstes Projekt hat man den Vorwartehof ins Auge gefasst. Dort sollen die Luft- und Lichtverhältnisse durch einen neuen Luft-Licht-First verbessert werden.
Neben den Veränderungen des Managements hinsichtlich der Haltungsbedingungen der Tiere wird auch die weitere Verbesserung der Arbeit der Menschen mit den Tieren groß geschrieben. Mitarbeitermotivation ist ein aktuelles Thema im Unternehmen. Bei sehr guten Ergebnissen in der Qualität und Menge der Milchablieferung werden zum Beispiel Zusatzgelder an dei Mitarbeiter ausgeschüttet. Das System dieser Leistungsvergütung wird weiter überarbeitet und verbessert.
Wir danken besonders Herrn Briest und Herrn Gumtz für die umfangreiche Betriebsvorstellung und wünschen ihnen und ihrem Team ein weiterhin erfolgreiches Arbeiten in den kommenden Jahren.
Astrid Ziem
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