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Zuchtgeschichte Rotes Höhenvieh

Die ersten Aufzeichungen über diese Rasse datieren zurück auf das 16. Jahrhundert.



Die Geschichte der letzten 100 Jahre


1890
Beginn der einheitlichen Herdbuchführung. bis dahin führte jede Harzgemeinde ein eigenes Herdbuch. Durch diese Maßnahmen enorm gefördert, entstand ein mittelgroßes Höhenvieh im Harz in typischer Dreinutzung Arbeit-Milch-Fleisch. Die Rasse entwickelte und konsolidierte sich. Dazu trug auch die etwa um diese Zeit datierende erste Milchkontrolle und die Schaffung von Bullenaufzuchtstationen bei.

1904
Züchterische Betreuung im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt - Stammzuchtgenossenschaft für Harzvieh, Sitz Ballenstedt - Verband zur Züchtung von Harzvieh in der Provinz Sachsen, Sitz Halle/Saale

1911
Alle vorhandenen deutschen Rotviehschläge der Mittelgebirge (Vogelsberger, Vogtländer, Harzer u.a.) wurden zu einer Rasse, dem "Mitteldeutschen Rotvieh" vereint.

1905-45
In diesem Zeitraum wurde kein Fremdblut eingeführt. Die Tiere waren an das im Harz vorherrschende kärgliche, rohfaserreiche Futter hervorragend angepasst. Sie waren hart und anspruchslos.





Ausgangssituation 1945 im Gesamtharz: 4.300 Herdbuchkühe

1945-48
Es ging in Ost und West vornehmlich um "Tagesaufgaben", um die Selbsversorgung mit Nahrungsmitteln. Die Leistungszucht ging zurück. Es kam zur politischen Teilung des Zuchtgebietes, ohne die Möglichkeit des Austausches.

Entwicklung im Westharz

ab 1950
Die nur mäßige Milchleistung entsprach den wirtschaftlichen Anforderungen nicht mehr. Es wurden umfangreiche Einkreuzungen mit Angler Rotvieh vorgenommen. Trotz einiger Erfolge konnte das Ziel, ein leistungsstarkes Rind, das aber seine Härte behält, nicht erreicht werden.

1966
Die tiefgefrorenen Samenreserven der letzten vorhandenen reinrassigen Harzer Bullen wurden auf behördliche Anordnung vernichtet.

Entwicklung im Ostharz

1948
Beginn der Einkreuzung mit Roten Dänen, vor allem um Frühreife, Milchleistung und Euterqualität der Harzkühe zu verbessern und Einrichtung einer zentralen Bullenaufzuchtstation im VEG Bärenrode, Landkreis Quedlinburg.

1968
Einstellung  der züchterischen Bearbeitung. Konsequente Besamung aller Kühe mit Deutschen Schwarzbunten Bullen. Damit war das Schicksal der RAsse eigentlich entschieden.

1970
Schlachtung des letzten Rotviehbullen der Besamungsstation Nordhausen. Das Umdenken "Eine Minute vor Zwölf"

1984
In der Zentralbesamungsstation Gießen wurden unerwartet 60 Samenportionen des jetzt legendären Roten Höhenviehbullen "Uwe R12" wieder entdeckt. Verantwortungsbewusste Tierzüchter in Hessen sahen das als Chance - als wohl letzte Chance dieser Rasse.

1985
Es begann die Suche nach noch lebenden weiblichen Tieren mit Höhenviehblut. Diese Tiere stammten aus dem gesamten ehemaligen Zuchtgebiet des Mitteldeutschen Rotviehs (Harz, Vogelsberg, Westfalen)


Gegenwart - Wiederaufnahme der Herdbuchführung im Harz

Es ist der Verdienst vieler Züchter, die ihren Beitrag zur Rettung des Roten Höhenviehs geleistet haben und weiter leisten. Im Ostharz war es durch die politische Reglementierung der Rinderzucht nicht möglich, privat an der Rasse festzuhalten. Im Westharz war es schwierig, aber richtige Harzer "Dickköpfe" haben dem wirtschafltlichen Druck zum Glück Stand gehalten. Dies waren vor allem Züchter in Wildemann und Goslar bis hin nach Braunschweig. Sofort nach derm Fall der Mauer gelangten die ersten Tiere von dort und auch aus Hessen und Westfalen in den Ostharz.

Der Rinderzuchtverband Sachsen-Anhalt wurde von den Harzer Züchtern gebeten, die Herdbuchführung zu übernehmen.

17.11.1995
Wiederaufnahme der Herdbuchführung des Roten Höhenviehs im Harz durch den Rinderzuchtverband Sachsen-Anhalt eG (RSA). Anlässlich der ersten Zusammenkunft der Züchter nach 27 Jahren erfolgte als sogar von den Medien verfolgter Höhepunkt die Bewertung der Kühe.
Das Zuchtziel und die Zuchtbuchordnung für RHV-Kühe im Harz wurden neu formuliert und gemeinsam von den Züchtern beschlossen. (Siehe Zuchtziel und Zuchtbuchordnung)

aber:
Der Grund für das Verschwinden der Rasse lag in der gegenüber den Hochleistungsrassen ungenügenden Milchleistung und der relativ schlechten Melkbarkeit. Unter den harten Bedingungen am Milchmarkt ist die Gefahr sehr groß, diesen Kreislauf, "weil schlechte Milchleistung -> Anpaarung von Fremdgenetigk -> langsames Zurückdrängen der alten wertvollen Rasseeigenschaft", neu zu aktivieren.

Die Tiere nicht zu Hochleistungstieren umzuformen und sie aus den "Anforderungen der Leistungsgesellschaft" einfach herauszunehmen, ist nur im Bereich Mutterkuhhaltung auf lange Sicht gegeben. Die Ausnahmen liegen in der Selbstvermarktung von Frischmilch, Käse etc. bei definitiv höheren Marktpreisen.

01.03.1996
Es beginnt ein in der Bundesrepublik neues Programm, um die Basis der RHV-Zucht zu erweitern. Über das Verfahren des Embryotransfers werden von den drei besten und typvollsten Tieren mehrere Eizellen unblutig gewonnen und durch Kühe anderer Rassen ausgetragen. Leider entsprachen die erzielten Ergebnisse nicht den Erwartungen. Deshalb wurde das Programm 1999 eingestellt.

14.08.1996
Die Züchterschaft des Roten Höhenviehs im Westharz (Niedersachsen), schließt sich dem Rinderzuchtverband Sachsen-Anhalt eG und damit dem Rotviehprogramm des Landes Sachsen-Anhalt an. Der Bestand beträgt nun ca. 50 Herdbuchtiere, verteilt auf 9 Zuchtbetriebe.

06.02.1998
Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft Rotes Höhenvieh (BAG-RHV) in Alsfeld (Hessen). In der BAG-RHV ist jeder anerkannte Zuchtverband durch den zuständigen Zuchtleiter und einen gewählten Züchter vertreten. Für das RSA-Zuchtgebiet sind dies als Zuchtleiter Herr Gernot Pohl und als Züchter für das Zuchtgebiet Sachsen-Anhalt Herr Uwe Thielecke, Tanne und für das Zuchtgebiet Niedersachsen Herr Wolfgang Beuse, Wildemann. Dei BAG-RHV fungiert bundesweit als Rasseverband udn koordiniert die Länder übergreifende Zuchtarbeit.

27.06.1999
1. Offene Landesschau Rotes Höhenvieh der Länder Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Diese Schau war ein Signal mit großer Außenwirkung und im Harz die erste "Harzviehschau" nach 55 Jahren Pause.

16.03.2002
Aktionstage zur Vermarktung von Spezialitäten des Harzer Roten Höhenviehs. Initiative "Harz geht durch den Magen" unter dem Motte -Harzer Gastwirte sichern Harzer Kulturerbe-.





Darüber hinaus ist das Rote Höhenvieh in der Region ein nicht mehr weg zu denkender Publikumsmagnet geworden. Tausende Besucher zählt der jährliche Kuhauftrieb in Wildemann und auch der "Tanner Kuhball" ist schon wieder Tradition.

Die RHV-Züchter im Harz treffen sich auf Einladung des RSA alljährlich im Gasthof "Zur Tanne" in Tanne/Harz. Das Treffen findet meistens im Dezember statt. Hier wird ausführlich über alles gesprochen und diskutiert, was die Zucht der Rasse betrifft.

Auf der Mitgliederversammlung der Abteilung Fleischrinder am 22. Januar 2003 wurde Herr Uwe Thielecke aus Tanne als Rassesprecher wiedergewählt. Er vertritt somit die RSA-RHV-Züchter in der RSA-Zuchtkommission und in der Bundesarbeitsgemeinschaft.

Eigentlich kommt diese Entwicklung fast einem Wunder gleich. Eine Rasse, für die die Diagnose "klinisch tot" schon feststand, ist in das Leben zurück gekehrt.


Zukunft und Ausblick

Die wirtschaftliche Bedeutung des Roten Höhenviehs
Die Landwirtschaft hat in unserer Gesellschaft mit zunehmendem Maß die Aufgabe, Landschaften zu pflegen, zu erhalten und zu bewahren.
Typisch für den Harz ist Wald, im Wechsel mit Bergwiesen, mit Trockenrasenstandorten und mit Weiden an den Ufern der Flüsse und Bäche.
Entstanden ist diese Landschaft, die unseren Lebensraum bereichert, die in ihrer Vielfalt Biotope für Pfleanzen- und Tiergesellschaft bietet, durch die Landwirtschaft unserer Vorväter. Erhalten werden muss sie durch unsere heutige Generation. Kein Rind im Harz ist dazu besser geeignet, als die Rasse, die auf diesem Standort gezüchtet wurde.
Für die Wahrnehmung dieser wichtigen Aufgabe erhalten die Rotviehzüchter EG-, Bundes- und Landesfördermittel, die bei der Einkommenssicherung helfen.
Mit Rotem Höhenvieh als Mutterkuh im Harz wird gleichzeitig auch Rindfleisch produziert, das allen Verbraucheransprüchen gerecht wird. Kurzfaseriges, natürlich gewachsenes Qualitätsfleisch - eine Spezialität zukünftiger Harzgastronomie. Schon jetzt haben einige kluge Gastronomen, so in Alexisbad, Tanne und Wernigerode, die Vorteile der Vermarktung solcherart natürlich im Harz gewachsenen Fleisches erkannt. In zunehmendem Maß werden vor allem Harzer Nebenerwerbslandwirte, aber darüber hinaus natürlich alle an dieser alten wunderschönen Rasse interessierten Züchter die Entscheidung für Rotes Höhenvieh treffen.

Eine Rinderrasse, die hart und anspruchslos ist, die an Klima und Umwelt wie keine andere angepasst ist, ist in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Die Zukunft der RHV-Zucht im Harz liegt darin, die alten Vorzüge dieser Rinder zu nutzen und weiter zu entwickeln.




Sofern Sie Fragen zum Roten Höhenvieh im Harz haben oder zukünftig selbst Tiere halten möchten, wird sind für Sie da.

Informationen zur Bundesarbeitsgemeinschaft Rotes Höhenvieh erhalten Sie unter: www.rotes-hoehenvieh.de