Fleckvieh/Fleisch ist mit 15.103 aktiven Zuchttieren (2001), das entspricht 20,6% des gesamten Fleischrindherdbuchbestandes, die unangefochtene Nr.1 in Deutschland. Obwohl Deutschland zu den Hauptherkunftsgebieten der Rasse gehört, ist diese heutige enorme Verbreitung in der Fleischrindzucht aber erst ein Ergebnis der Jahre nach 1990. Trtz der hervorragenden Eignung der Rasse zur Mutterkuhhaltung waren bis zur Wiedervereinigung nur 91 aktive Zuchttiere in den Fleischrinderverbänden Westdeutschlands erfasst. Dann ging alles sehr schnell. Die Rasse Fleckvieh ist in nur drei Jahren auf Platz drei innerhalb der herdbuchmäßig erfassten Fleischrinderpopulation der Bundesrepublik gestiegen. Schon im Jahr 1993 waren dann 6.018 Zuchttiere erfasst, davon standen allein 5.445 Tiere in Ostdeutschland. Nur wenig später hatte die Rasse zahlenmäßig alle anderen Fleischrindrassen überflügelt. Aber dies wäre natürlich nicht möglich gewesen, wenn Fleckvieh nicht auch qualitativ überzeugt hätte. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass das Hauptverbreitungsgebiet von Fleckvieh in Fleischnutzung im Osten Deutschlands lag und liegt. Dies hat historische Ursachen.
Fleischfleckviehzucht der DDR
Die DDR hatte ehrgeizige Ziele zur Steigerung der Rindfleischproduktion, aber es fehlte an den nötigen Dollar, um Zuchttiere im Ausland zu kaufen. In dieser Situation besann man sich auf die auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen bodenständige Doppelnutzungsrasse Fleckvieh und beschloss, diese als reine Fleischrindrasse weiter zu entwickeln. Vor allem ging es darum, beste Vererber der Rasse an einen Teil der Milchkuhpopulation anzupaaren, um die Effektivität der Rindermast zu verbessern. Die daraus hervorgehenden Kreuzungstiere sollten eine Überlegenheit von 15% in den Lebenstageszunahmen, von 10% im Energieaufwand un dvon 8% in den Schlachtleistungsparametern gegenüber der Milchkuhpopulation haben. Des Weiteren sollten die Hybridnachkommen ohne Geburtsschwierigkeiten auf die Welt kommen. Als die Entscheidung für diese Aufgabenstellung im Jahr 1970 fiel, war die Reinzuchtpopulation des ostdeutschen Fleckviehs in den Hauptzuchtgebieten schon arg dezimiert. Die verbliebenen Bestände wurden nun nach geeigneten reinrassigen weiblichen Tieren durchforstet. Dabei wurden nur in Ausnahmefällen Kühe über die 2. Laktation ausgewählt. Die Auswahl erfolgte prinzipiell an Hand der Merkmale Lebendmasse, Wuchs und Bemuskelung und war gegen Ende des Jahres 1973 abgeschlossen. Im Jahre 1987 erfolgte dann erstmals eine Blutauffrischung durch den Import von 83 Färsen aus Österreich, die analog ausgewählt wurden.
Die Zuchtzielanforderungen in der DDR waren für Kühe wie folgt definiert:
- 700 kg Lebendmasse
- 136 bis 140 cm Kreuzbeinhöhe
- 54cm Beckenbodenbreite
- sehr gute Bemuskelung
- hohe reproduktive Leistungen
- korrekte Gliedmaßen und Klauen
- eine mittlere Milchleistung
- bei hohem Grobfuttereinsatz
Durch Kontinuität und Zielstrebigkeit konnte so in 20 Jahren Zuchtarbeit aus der vorhandenen Zweinutzungsrasse eine auf Fleischleistung, Bemuskelung und Leichtkalbigkeit selektierte, neue Einnutzungsrasse herausselektiert werden. Viele Rinderzüchter in Ostdeutschland kannten die Rasse und waren von ihrer Leistungsfähigkeit überzeugt. Dies ist sicher der Hauptgrund für den nach der Wende einsetzenden Fleckviehboom in Deutschland
Fleckvieh/Fleisch in Sachsen-Anhalt
Die südlichen Landkreise Sachsen-Anhalts gehörten traditionell zum Verbreitungsgebiet des Fleckviehs und bildeten sozusagen die nördliche Verbreitungsgrenze der Rasse. Ganz besonders in den Regionen Zeitz, Naumburg und Weißenfels lagen im letzten Jahrhundert viele Hochzuchtgebiete. Das Zuchtziel der Rinderzüchter Sachsen-Anhalts aus dem Jahr 1959 definiert einen sehr gut bemuskelten Zweinutzungstyp. Diese sehr guten Voraussetzungen in der Mast- und Fleischleistung, die Fleckvieh in Doppelnutzung mitbringt, bildeten die ideale Grundlage für ein leistungsbetontes Fleischrind. Dabei ist die vorhandene sehr gute Milchleistung ein weiterer Pluspunkt. Bei diesen Voraussetzungen verwundert es nicht, dass sich die Rasse Fleckvieh im Zuchtgebiet des Rinderzuchtverbandes Sachsen-Anhalt eG ebenfalls zur Hauptfleischrindrasse entwickelt hat. Dabei blieben aber sowohl die qualitative, als auch die quantitative Entwicklung nicht dem Selbstlauf überlassen.
Milchleistung | 3069 kg | je Kuh/Jahr Stand 1959 | | Ziel | 4500 - 5000 kg | | | Fettgehalt Stand 1959 | 3,97% | Ziel | 4.50% | | | Allgemeine | - Zweinutzungsrind(Milch/Fleisch) | Anforderungen | - beste Gesundheit | | - gute Futterverwertung | | - Fruchtbarkeit | | | Körperbau | - Langlebigkeit | | - Frühreife | | - große Muskelfülle | | - gute Weide- und Marschfähigkeit | | - anpassungsfähig an verschiedene Fütterungs- und Haltungsbedingungen | | - Melkmaschineneuter | | | Wideristhöhe | 128 - 134 cm |
Der Aufbau der heutigen Bestände erfolgte im Schulterschluss der Züchter mit dem Zuchtverband. Die Grundlage der heutigen Fleckviehpopulation im Land liegt auf der weiblichen Seite zwar auch in gezielten Zukäufen aus Bayern, Baden-Württemberg, Österreich und Ungarn, aber die leistungsstärksten Herden gingen unmittelbar aus den Fleischfleckvieh-Genreserve-Herden der DDR hervor. Beim Ankauf aus Zweinutzungsbeständen lag der Schwerpunkt beim Bestandsaufbau stets auf Bemuskelung, Rahmen und Gangwerk der Tiere. In den letzten Jahren wurden ganz gezielt internationale Spitzenbullen, vor allem aus Kanada und Dänemark, zur weiteren Verbesserung des Zuchtfortschritts eingesetzt. Die generelle Zielstellung der Zuchtarbeit lag und liegt im Aufbau einer fleischbetonten, zur Mutterkuhhaltung auch in großen Herden geeigneten Fleckviehpopulation, die auf der Schlachtviehseite sowohl den Verbraucheranforderungen (Fleischqualität) im Inlandmarkt als auch den Anforderungen des Zuchtviehmarktes entspricht. Seit 1992 erfolgt eine gezielte Fleischleistungsprüfung aller männlichen und weiblichen Zuchttiere.
Die Prüfung umfasst:
- Bemuskelung
Die Bemuskelung wird als zusammengefasstes Merkmal für Keule, Rücken und Schulter mit einem Notensystem auf einer 9-Punkte-Skala festgelegt. - Geburtsgewicht
Das Geburtsgewicht wird unmittelbar nach der Kalbung festgestellt. - 200-Tage-Gewicht
Das im Alter 90-280 Tage ermittelte und auf 200 Tage standardisierte Lebendgewicht - 365-Tage-Gewicht
Das im Alter 281-500 Tage ermittelte und auf 365 Tage standardisierte Lebendgewicht.
Die Ermittlung der 200-Tage-Gewichte und -Bemuskelungsnoten sowie der 365-Tage-Gewichte und -Bemuskelungsnoten bei allen männlichen und weiblichen Zuchttieren bildet die wichtigste Grundlage für eine systematische Zuchtarbeit beim Fleckvieh. Auf der Grundlage eines bundeseinheitlichen BLUP-Tiermodells erfolgt seit 1998 auch für Fleckvieh eine Zuchtwertschätzung. Das bedeutet, es wird die genetische(erbliche) Überlegenheit zu Vergleichstieren erfasst. Die Hauptvergleichszahl in der ZWS ist der Relative Zuchtwert Fleisch (RZF).
Er besteht aus den Einzelzuchtwerten:
- maternaler Zuchtwert (TZ bis 200. Lebenstag) - ZW mat
- Zuchtwert für tägliche Zunahme bis 365. Tag - ZW-TZ
- Zuchtwert für Bemuskelung - ZW-B
Die Ergebnisse der ZWS für Fleckvieh/Fleisch in Deutschland zeigen Zuchttiere aus Sachsen-Anhalt ganz weit vorn (Siehe auch unter Spitzenvererber). Aber natürlich können Erfolge in der Rinderzucht nicht nur auf ener Selektion nach Leistungsmerkmalen beruhen. Deshalb wird im Zuchtgebiet Sachsen-Anhalt auf die Entwicklung der Exterieur-Merkmale und auf einen ausreichenden, eher etwas größeren Rahmen ganz besonderer Wert gelegt. Dazu gehören aber auch ausreichende Tiefe, feste Fundamente und natürlich Harmonie in der gesamten Erscheinung. Fest in das Zuchtziel integriert ist die genetische Hornlosigkeit der Tiere.
Um diesen Zuchtstandard gezielt weiterzuentwickeln, gibt es ein spezielles Zuchtprogramm, das an alle teilnehmenden Betriebe sehr hohe Anforderungen stellt (nähere Informationen unter Zuchtprogramm). Fleckvieh aus Sachsen-Anhalt stand in großen gesamtdeutschen Schauwettbewerben auf dem Siegerpodest. Sowohl bei Bullen als auch bei den Kühen konnten viele Bundessiegertitel erzielt werden. Der absolute Ausnahmebulle "HERLUF" ist dabei der einzige deutsche Bulle, der zweimal zum besten deutschen Bullen gekürt wurde.

|